Mit der neuen Gesprächsreihe "Demokratie im Gegenwind" laden wir an fünf Abenden von März bis Juni 2026 zum Zuhören und Mitreden ins Nienburger Kulturwerk ein. In Zeiten, in denen uns der Gegenwind von den Rändern ordentlich ins Gesicht bläst, müssen wir die offene Diskussion erst recht pflegen. Zum Auftakt sprechen wir am 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus, mit Dr. Astrid Jacobsen über Diskriminierung in der Polizeiarbeit.
Die politische Tonlage wird schriller, der Raum für gemeinsames Nachdenken enger, das Vertrauen schwindet. Eine gesellschaftliche Radikalisierung ist deutlich spürbar. Unsere neue Gesprächsreihe „Demokratie im Gegenwind“ geht der Frage nach, wie eine offene Gesellschaft offen bleiben kann. In Gesprächen mit fünf Expert*innen richten wir den Blick auf das, was uns trennt und verunsichert – und auf das, was uns trotzdem verbindet. Wir starten die Reihe am 21. März 2026 zum Internationalen Tag gegen Rassismus!
Nach den Gesprächen auf dem Podium laden wir das Publikum zum offenen Austausch ein. Fragen können bereits im Vorfeld eingesendet werden: frage@imgegenwind.net. Und wer danach weiterdiskutieren möchte, lässt den Abend gemütlich bei Bier und Brezel im Bistro des Kulturwerks ausklingen.
Konzeption und Moderation: Mario Portmann, Arbeitskreis „Demokratie im Gegenwind“
Ort: Nienburger Kulturwerk e.V., Mindener Landstraße 20, 31582 Nienburg
Eintritt frei. Voranmeldungen zu den Veranstaltungen sind erwünscht unter 05021 922580 zu den Öffnungszeiten. Dienstag bis Donnerstag: 9-13 Uhr, Donnerstag 15-18 Uhr. info@nienburger-kulturwerk.de.
Aktuelle Infos zur Reihe: www.imgegenwind.net sowie bei uns im Veranstaltungkalender https://www.slu-boell.de/de/veranstaltungen.
Alle Veranstaltungen im Überblick
Sa. 21.3.26, 20 Uhr (Internationaler Tag gegen Rassismus)
Diskriminierung in der Polizeiarbeit
Diskriminierung, u.a. auch institutioneller Rassismus und unverhältnismäßige Gewaltanwendung werden der Polizei häufig vorgeworfen. Dr. Astrid Jacobsen und Dr. Jens Bergmann, Professor*innen an der Polizeiakademie Nienburg, haben drei Jahre lang den konkreten Polizeialltag beobachtet. Wir sprechen mit Dr. Astrid Jacobsen über die konkreten Ergebnisse und diskutieren mögliche Schlussfolgerungen.
Do., 16.4.26, 18 Uhr, Vernissage im Foyer des Theaters auf dem Hornwerk
Ausstellung: „Widerstand – der Freiheitskampf der Ukraine“
2017 begann der preisgekrönte Bamberger Journalist und Fotograf Till Mayer über den Konflikt in der Ukraine zu berichten. Das Schicksal des Landes wurde für ihn zu einer Herzensangelegenheit. Seit der russischen Vollinvasion 2022 verbringt er jedes Jahr etwa die Hälfte seiner Zeit an und hinter den Frontlinien. In einem einzigartigen Langzeitprojekt dokumentiert er das Land und seine Menschen im Freiheitskampf. Seine jüngsten Arbeiten werden hier in Nienburg erstmals der deutschen Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung ist vom 16. April bis 11. Mai 2026 zu sehen.
Anschließend um 19 Uhr, Vortrag und Gespräch im Nienburger Kulturwerk
Gesichter des Krieges – 2017 bis 2026
Till Mayer erzählt von prägenden Begegnungen auf seinen Reisen durch die Ukraine der letzten Jahre. Er spricht darüber, was ihn antreibt und warum er nicht aufgeben kann – und warum wir es auch nicht sollten.
Die Veranstaltungen stehen unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters von Nienburg Jan Wendorf. Veranstalter*innen: Motanka e.V. in Kooperation mit der Stiftung Leben und Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen sowie dem Arbeitskreis „Demokratie im Gegenwind“. Gefördert durch den Landschaftsverband Weser-Hunte e.V., die Bürgerstiftung des Landkreises Nienburg/Weser und die Neuhoff-Fricke-Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Nienburg und der Stadt Nienburg/Kulturbüro
Sa., 9.5.26, 20 Uhr
Erst wenn Information frei ist, kann Demokratie atmen: Wikipedia
Nie zuvor verfügte die Menschheit über ein Gedächtnis, das allen gehört: Wikipedia ist ein demokratisches Weltwunder, geschaffen von ehrenamtlichen Aktivist*innen. Doch Künstliche Intelligenz kanalisiert und kommerzialisiert zunehmend den Zugang zu Wissen, während Desinformation sich im Netz ausbreitet. Wikipedia und verwandte Initiativen stehen unter Druck – immer mehr aktive Autor*innen ziehen sich zurück. Lässt sich das Menschenrecht auf freien Zugang zu Wissen und Bildung unter den aktuellen Bedingungen noch bewahren? Und wenn nicht, was sind die Konsequenzen für politische Teilhabe und demokratische Selbstbestimmung?
Pavel Richter, Wikipedianer der ersten Stunde, leitete fünf Jahre lang Wikimedia Deutschland, den Förderverein der deutschen Wikipedia. Später war er u.a. CEO der Open Knowledge Foundation und Beirat bei Transparency International.
Sa., 6.6.26, 20 Uhr
Reise zum rechten Rand und zurück
Als Marco Schild bei der Jungen Alternative einstieg und dann in der AfD rasch Karriere machte, war er jung, konservativ und besorgt. Bald folgte die ernüchternde Erfahrung, wie sich die Partei – und mit ihr Teile der Gesellschaft – zunehmend radikalisierten. Irgendwann war für ihn eine Grenze erreicht. Wir sprechen mit ihm über seinen Ausstieg aus diesem Milieu. Welche Lehren lassen sich aus seinen Erfahrungen für den Umgang mit populistischen Ideen ziehen? Wie erreicht man Menschen am Rand? Und wirken sogenannte Brandmauern tatsächlich – oder sind sie am Ende kontraproduktiv?
Marco Schild ist Sozialpädagoge und leitet eine Einrichtung für seelisch erkrankte Menschen in Bayern.
Fr.,19.6.2026, 20 Uhr
Mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten – was tun gegen Armut und Existenzangst?
Armut und die Angst davor sind nicht mehr nur bei den Wenigverdienern oder Arbeitslosen zu Hause. Beide stehen auch bei der Mittelschicht vor der Wohnungstür. Wir wollen wissen, wer davon in Deutschland betroffen ist – und vor allem, wie wir Armut und Existenzängste verringern oder sogar ganz beseitigen können.
Dr. habil. Wolfgang Strengmann-Kuhn ist u.a. Armutsexperte und prominenter Sozialpolitiker von Bündnis90/Die Grünen. Er hat viel zum Thema geforscht – und einige spannende Ideen für Gegenmaßnahmen entwickelt.
Veranstalter*innen: Stiftung Leben und Umwelt I Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis „Demokratie im Gegenwind“.